Aktion #Krautschau
Greiskraut, Vogelmiere oder Knöterich? Auf Flensburgs Gehwegen tummeln sich unbeachtet so manche Pflanzen. Hinschauen lohnt sich! Mitte Mai startete daher das Naturwissenschaftliche Museum die erste „Krautschau“-Exkursion in Mürwik. Auf einem Streifzug durch das Wohngebiet zwischen Twedter Plack und Strandfrieden machte sich eine kleine Gruppe von Hobby-Botanikern auf den Weg und beschriftete mit Straßenkreide die zähen Überlebenskünstler zwischen Gehwegplatten und Asphalt. Mit Hilfe von Lupen bewunderten sie ihre teilweise winzigen Blüten und bestaunten die Formenvielfalt ihrer Blätter und Wuchsformen. Nebenbei erfuhren sie Wissenswertes über das Leben der „Ritzenrebellen“. Die Funde wurden direkt an die Aktion „#Krautschau“ gemeldet, ein „Citizen science-Projekt“.
In Deutschland haben sich über 500 Pflanzenarten an die extremen Bedingungen im besiedelten Bereich angepasst. Indem sie Tritt- und Fahrbelastung, Hitze, Trockenheit, Bodenverdichtung und Verschmutzung trotzen, stellen sie wertvolle Mikro-Ökosysteme für zahlreiche Insekten und andere Organismen dar. „Bitte wachsen lassen!“ ist die Botschaft der „Krautschau“, denn gerade in der Stadt brauchen wir Pflanzen dringend zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels. Grüne Fugen nehmen Oberflächenwasser auf, erhöhen die Versickerung und binden Staub. An heißen Sommertagen tragen sie zur Kühlung der gepflasterten Flächen bei.
Die Aktion „#Krautschau“ entstand als Reaktion auf das weit verbreite Phänomen der „Pflanzenblindheit“. Dies bezeichnet die Unfähigkeit, die Pflanzen in der eigenen Umgebung detailliert wahrzunehmen. Die Aktion kam aus Frankreich über England nach Deutschland. Pflanzenbestimmungsapps wie Flora Incognita oder ObsIdentify helfen auch Laien bei der Bestimmung dieser Kleinstflora. Der erste bundesweite #Krautschau-Aktionstag wurde 2021 von Julia Krohmer (Senckenberg) gemeinsam mit Alexandra-Maria Klein von der Universität Freiburg koordiniert. Alle Beobachtungen, die mit Flora Incognita in diesem Projekt gesammelt werden, werden für Forschungsfragen zur städtischen Pflanzenvielfalt ausgewertet.
„Krautschau“ macht Spaß und schärft den Blick für das zähe Grün zwischen Pflastersteinen, in Rinnsteinen und Mauerritzen. Das Naturwissenschaftliche Museum bietet eine letzte Exkursion mit Kirsten Giese (NABU) im Stadtgebiet an. Treffpunkt ist um 16.30 Uhr am Burgplatz vor dem Finanzamt.
Die Teilnahme ist kostenlos, bringen Sie gerne Bestimmungsbücher und Lupe mit, Hunde lassen Sie bitte zu Hause.

